Johannes Brahms

Symphonie Nr. 4

Erklärt nach der 5-4-3-2-1-Methode

Dauer: 40–50 Minuten
Gattung: Symphonie
Entstehungszeit: 1884–1885
Uraufführung: 25. Oktober 1885 (Meiningen)

Inhaltsverzeichnis

Brahms‘ Symphonie Nr. 4 in 5 Sätzen

Die Symphonie Nr. 4 ist Brahms‘ letzte Symphonie, in der er seinen persönlichen Kompositionsstil noch einmal auf die Spitze trieb: Brahms war bekannt dafür, große Formen aus kleinsten Einzelteilen zu entwickeln (eine Weiterentwicklung des Stils Beethovens und Haydns), was er in der Symphonie Nr. 4 vor allem im ersten Satz ausgiebig tat (siehe dazu unten, „Highlight 1“). Das führte dazu, dass Brahms‘ Komponierweise mitunter als „radikal“ bezeichnet wurde. Brahms schrieb seine Symphonie Nr. 4, während er in der Steiermark seine Sommerfrische verbrachte. So richtig anfreunden konnte sich Brahms selbst nicht mit seiner Symphonie Nr. 4 – in einem Brief schrieb er, sie „schmecke nach dem steirischen Klima“, in dem nicht mal die Kirschen süß werden.

Hinweis: Dieses Werk gehört zu den Top 100 Klassische Musik.

4 Highlights aus Brahms‘ Symphonie Nr. 4

Highlight 1: die Keimzelle

Wie oben schon beschrieben, hat Brahms seinen Stil, alles aus kleinsten Zellen zu entwickeln, in der Symphonie Nr. 4 auf die Spitze getrieben. Doch was kann so eine kleine Zelle sein? Es könnte ein Thema sein (wie in Mozarts Klavierkonzert Nr. 21) oder auch ein Motiv (wie am berühmten Beginn von Beethovens 5. Symphonie). Doch hier ist die Sache noch extremer: Brahms‘ Ausgangspunkt ist ein einziges Intervall, also ein einzelner Tonschritt, nämlich eine fallende Terz:

Highlight 2: Hornruf

Der zweite Satz beginnt mit einem Ruf der Hörner, in den nach und nach die anderen Bläser einstimmen:

Highlight 3: trubelartiger dritter Satz

Im dritten Satz gibt es trubelartige Aktivität. Im Zusammenhang mit den beiden vorangegangenen Sätzen ist dieser Satz verschiedenartig gedeutet worden: Manche Musikwissenschaftler sehen ihn als blanken Sarkasmus an. Auffällig ist weiterhin, dass Brahms hier Piccoloflöte und Triangel verwendet, was er normalerweise nicht tat. Diese Instrumente entstammen der Militärmusik, sodass eine militärische Deutung auch denkbar wäre:

Highlight 4: Abschied mit alter Strenge

Brahms verabschiedet sich aus der Gattung der Symphonie mit einem historischen Rückblick: Der letzte Satz der Symphonie Nr. 4 ist eine Passacaglia. Dabei handelt es sich um eine sehr strenge Form aus der Barockmusik, in der eine bestimmte Linie durchgehend vorhanden ist:

3 Fragen und Antworten zu Brahms‘ Symphonie Nr. 4

Frage 1: Wie viele Symphonien gibt es von Brahms?

Von Brahms gibt es vier Symphonien.

Frage 2: Wer brachte Brahms‘ 4. Symphonie zur Uraufführung?

Bei der Uraufführung spielte die Meininger Hofkapelle. Brahms dirigierte selbst.

Frage 3: Wie wirkte Brahms‘ 4. Symphonie auf das Publikum?

Die Reaktionen waren zweigeteilt: Nicht jeder konnte sich mit Brahms‘ radikaler Komponierweise anfreunden (siehe dazu oben, „Highlight 1“). Es gab aber auch früh sehr erfolgreiche Aufführungen des Werkes (zum Beispiel im Rahmen einer Welttournee mit dem Dirigenten Hans von Bülow).

2 empfehlenswerte Aufnahmen von Brahms‘ Symphonie Nr. 4

Aufnahme 1: NDR Elbphilharmonie Orchester, Christoph von Dohnányi (live, 2007)

Bei Brahms greife ich immer wieder gerne zu den Interpretationen von Christoph von Dohnányi mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester, die sich durch einen besonders satten Klang auszeichnen:

Aufnahme 2: WDR Sinfonieorchester, Jukka-Pekka Saraste (live, 2014)

Eine andere bewegende Aufführung von Brahms 4. Symphonie stammt vom WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste:

1 Zitat zu Brahms‘ Symphonie Nr. 4

Nur die erste Phrase! Es ist keine Frage und Antwort, dieser Beginn. Es ist quasi Frage und noch eine Frage. Und eine Symphonie so zu beginnen, finde ich sehr modern für diese Zeit. Es gibt keine Einleitung, es geht einfach los mit dieser sehr nostalgischen und melancholischen Melodie. Die aber auch dann wiederum immer wieder einen Hauch von Licht, einen Hauch von Liebe hineinbringt.

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