Felix Mendelssohn Bartholdy

Violinkonzert e-Moll

Erklärt nach der 5-4-3-2-1-Methode

Dauer: ca. 30 Minuten
Gattung: Solokonzert
Entstehungszeit: 1838–1844
Uraufführung: 13. März 1845 (Leipzig)

Inhaltsverzeichnis

Mendelssohns Violinkonzert in 5 Sätzen

Felix Mendelssohn Bartholdy widmete sein Violinkonzert e-Moll dem befreundeten Geiger Ferdinand David. Das Werk entstand über den für Mendelssohns Verhältnisse ungewöhnlich langen und mühevollen Zeitraum von sechs Jahren. Danach war es aber von Anfang an ein großer Erfolg und wirkte auf spätere Komponisten wie Jean Sibelius und Peter Iljitsch Tschaikowski inspirierend. Bemerkenswert ist, wie Mendelssohn das Einführen kompositorischer Neuerungen (mehr dazu unten bei den „Fragen und Antworten“) mit sparsamen harmonischen Mitteln und einem transparenten Orchesterklang verbindet. Klanglich steht das Werk somit näher an der Wiener Klassik als am romantischen Virtuosenkonzert.

Hinweis: Dieses Werk gehört zu den Top 100 Klassische Musik.

4 Highlights aus Mendelssohns Violinkonzert

Highlight 1: Beginn

Nun, der Beginn dieses Konzerts hat sogar Mendelssohn selbst keine Ruhe gelassen (siehe das Zitat unten). Es ist auch ein besonderer Beginn, denn es gibt kein Orchestervorspiel – stattdessen schwebt die Solovioline von Anfang an über dem Klangteppich, den das Orchester ausrollt:

Highlight 2: fließender Übergang zwischen 1. und 2. Satz

Eine Besonderheit zur Zeit Mendelssohns: nach der Schlusssteigerung des ersten Satzes gibt es keine Unterbrechung, bevor der zweite Satz beginnt. Stattdessen gehen die beiden Sätze ineinander über. Das „Scharnier“ ist ein einzelner Ton des Fagotts:

Highlight 3: Einleitung des 3. Satzes

Der 3. Satz beginnt mit einer dunklen, langsamen Variation des Beginns dieses Konzerts (Highlight 1). Nach einem Signal der Blechbläser folgt dann das schnelle Schlusssatzthema, das nach dem dunklen Satzbeginn umso heller und lebensfroher wirkt:

Highlight 4: strahlender Schluss

Ich bewundere Mendelssohns Musik ja für ihre eigentlich immer positive Grundstimmung. Und so ist auch der Schluss dieses Werks – strahlend, hell, positiv. Keine Spur von der mühevollen Kompositionsarbeit, die sich über sechs Jahre hingezogen hat:

3 Fragen und Antworten zu Mendelssohns Violinkonzert

Frage 1: Hat Mendelssohn mehrere Violinkonzerte geschrieben?

Ja. Sechzehn Jahre, bevor Mendelssohn das heute berühmte Violinkonzert in e-Moll schrieb, hatte er bereits ein Violinkonzert in d-Moll komponiert. Damals war er gerade einmal 13 Jahre alt gewesen! Vermutlich deshalb hat er das Werk als „Jugendwerk“ verworfen. Erst der Violinist Yehudi Menuhin (1916–1999) machte Mendelssohns erstes Violinkonzert wieder bekannt.

Frage 2: Wer war Ferdinand David?

Ferdinand David (1810–1873) war einer der führenden Violinisten und vor allem Violinpädagogen seiner Zeit. Bis 1836 spielte er sehr erfolgreich in einem Streichquartett. Nach dessen Auflösung wurde Ferdinand David von Felix Mendelssohn Bartholdy als Konzertmeister des Leipziger Gewandhausorchesters verpflichtet. Zwischen den beiden Musikern entstand eine enge Freundschaft. Mendelssohn schrieb sein Violinkonzert e-Moll für Ferdinand David, der es 1845 auch uraufführte.

Frage 3: Welche Neuerungen gibt es in Mendelssohns Violinkonzert e-Moll?

In Mendelssohns Violinkonzert e-Moll gibt es hauptsächlich drei kompositorische Neuerungen: Erstens gehen erster und zweiter Satz fließend ineinander über, zweitens präsentiert das Soloinstrument (und nicht das Orchester) das Hauptthema des ersten Satzes und drittens platziert Mendelssohn die Kadenz im ersten Satz nicht am Ende, sondern schon früher.

2 empfehlenswerte Aufnahmen von Mendelssohns Violinkonzert

Aufnahme 1: Julia Fischer, Myung-Whun Chung, Orchestre Philharmonique de Radio France (Live, 2014)

Über Julia Fischer muss man nicht viel schreiben – sie ist einfach eine Meisterin ihres Fachs:

Aufnahme 2: Karen Gomyo, Pietari Inkinen, Deutsche Radio Philharmonie

Eine weitere überzeugende Interpretation stammt von der Geigerin Karen Gomyo:

1 Zitat zu Mendelssohns Violinkonzert

Ich möchte Dir wohl auch ein Violinkonzert machen für nächsten Winter; eins in e-moll steht mir im Kopfe, dessen Anfang mir keine Ruhe läßt.

Mendelssohn in einem Brief an Ferdinand David

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